Hamburg hat viele Besonderheiten und
Alleinstellungsmerkmale. Dazu gehört
auch, dass es in keiner anderen deutschen
Stadt mehr gemeinnützige Stiftungen gibt als in
der Freien und Hansestadt und kein Bundesland
eine höhere Stiftungsdichte pro Kopf ausweist.
1.100 Stiftungen zählt die Stadt zur Jahresmitte
2008; das sind etwa 65 Stiftungen auf 100.000
Einwohner.

Warum gingen und gehen Hamburger so gern
stiften? Sicherlich ist die große Zahl wohlhabender
Menschen in Hamburg eine der Ursachen, schließlich
leben mehr als 3.000 Millionäre in der Stadt.
Doch werden Stiftungen nicht nur von Millionären
gegründet. Zu den Reichen der Stadt gesellen sich
normal verdienende Mitbürger, Bürgergruppen,
Kirchenadministratoren, Unternehmen, kulturell
Interessierte. Sie alle errichten Stiftungen, um
selbst Dinge zu bewegen, um Innovationen in
Gang zu setzen, um ein selbstgestecktes, der
Allgemeinheit dienliches Ziel zu erreichen. Dieses
Vorgehen hat Tradition in einer Stadt, deren Wohl
in der Vergangenheit nicht von einem Fürsten,
König oder Erzbischof bestimmt wurde, sondern
in der der einzelne Bürger gefragt war. So stiftete
Salomon Heine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Geld für die Errichtung des Israelitischen
Krankenhauses, wie Michael Otto am Ende des 20.
Jahrhunderts der Jugendmusikschule zu einem
neuen Gebäude verhalf. Da fragt man nicht, da
bittet man nicht, da hofft man nicht auf den Staat
oder die Behörde, sondern man tut etwas aus
eigener Kraft.

Es sind letztlich immer wieder drei Beweggründe,
die Menschen zum Stiften veranlassen.
  Der Stifter hat ein Ziel vor Augen, das er erreichen
möchte. Sei es der Wunsch, Jugendliche vor der
Arbeits- und Perspektivlosigkeit zu bewahren,
das Haus eines berühmten Schriftstellers vor dem
Abriss zu retten und als Gedenkstätte herzurichten
oder die Therapiemöglichkeiten bei beginnender
Altersdemenz zu verbessern. Jedes individuelle
Ziel, das der Allgemeinheit dient, ist wichtig und
stiftungswürdig.

Der Stifter möchte gern geben. Altruismus ist
ihm wesentlich. Sei es aus Dankbarkeit nach einer
erfolgreichen beruflichen Tätigkeit, aus religiösen
Motiven oder schlichtweg aus Freude. Privat
erwirtschaftetes Vermögen kommt dem allgemeinen
Nutzen der Gesellschaft zugute. Dieses
Geben-Wollen wird auch nicht dadurch entwertet,
dass der Stifter von der Gesellschaft dafür Anerkennung
erwartet.

Anerkennung verdient jeder, der bereit ist, persönlich
Verantwortung für einen größeren Kreis
zu tragen. Verantwortungsbereitschaft ist das
dritte Kriterium des Stiftens. Der Stifter greift ein, er
beschleunigt Reformen, er ermöglicht Neues.

Hamburger Persönlichkeiten stifteten 1227 das
Hospital zum Heiligen Geist. Aus dieser Gründung
geht die älteste kontinuierlich bestehende Stiftung
der Hansestadt hervor, die heute ein großes
Seniorenzentrum im Norden der Stadt unterhält.
Für die kirchlich geprägten Gründerväter war klar,
dass sie eines Tages vor dem Herrgott Antwort
geben müssten auf das, was sie im Leben bewirkt
hatten. Dieses Antwort-Geben-Müssen ist heute
für die allermeisten eher Teil der Verantwortung
eines Jeden gegenüber sich selbst und der Gesell-

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